Die unsichtbaren Helden der klinischen Forschung

Studienkoordinator:innen setzen sich tagtäglich dafür ein, dass klinische Studien reibungslos verlaufen. Was diesen Beruf ausmacht, welche Verantwortung und Freude er mit sich bringt, was sich ändern muss – darüber sprechen Daniela Karl und Jacqueline Roy vom Bundesverbandes des nicht ärztlichen Studienpersonals in der klinischen Forschung e.V. (BUVEBA).

Die Rolle von Studienkoordinator:innen

Frau Karl, beim Stichwort klinische Studien denken viele an Ärzte und Wissenschaftler. Warum kommt gerade der Studienkoordinator:in eine zentrale Rolle zu?

 „Studien sind heutzutage so aufwendig, komplex und vielschichtig, dass es eine Fachperson mit Expertise braucht, bei der alle Stränge zusammenlaufen“, erklärt Daniela Karl, Vorsitzende vom Bundesverband des nicht-ärztlichen Studienpersonals in der klinischen Forschung e.V. „Studienkoordinator:innen übernehmen den kompletten administrativen Teil inklusive der Patientenbetreuung und sind somit ein eigenständiger, hochqualifizierter Bereich innerhalb der klinischen Forschung.“

Aufgaben von Studienkoordinator:innen

Studienvorbereitung

Studiendurchführung und Patientenmanagement

Daten- und Qualitätsmanagement

Zentrale Koordination und Teamarbeit

Labor-, Medikamenten- und Finanzmanagement

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte man mitbringen für diesen Beruf?

„Man braucht Organisationstalent, die Fähigkeit zum strukturierten Arbeiten, medizinisches Interesse, starke Nerven, Empathie“, sagt Jacqueline Roy.

Daniela Karl ergänzt: „Ein Gespür für Menschen ist tatsächlich sehr wichtig, denn die zentrale Frage in der Studiendurchführung lautet: Bringt das, was ich Studienteilnehmenden verabreiche, Komplikationen oder Nebenwirkungen mit sich, die sie gefährden könnten? Genau diese Informationen muss man aus den Studienteilnehmenden herauslesen und im Gespräch erfassen.“

Wie wird man Studienkoordinator:in?

„Leider ist das Berufsbild nicht geschützt, d.h. es gibt keine verpflichtende Ausbildung, sondern nur ,learning by doing‘“, kritisiert Jacqueline Roy, die selbst seit vielen Jahren als Studienkoordinatorin arbeitet. Oft werde aus Kostengründen auf eine fundierte Fortbildung verzichtet, sogar Quereinsteiger ohne medizinische Ausbildung eingesetzt.

„Gerade weil unsere Aufgaben so entscheidend für den Erfolg von klinischen Studien sind, fordern wir eine verpflichtende, bundesweit einheitliche Fachweiterbildung“, betont Daniela Karl. „Das muss politisch durchgesetzt werden!“

Personalmangel ist auch bei Studienkoordinator:innen ein großes Problem. Was muss sich ändern, damit sich mehr Menschen für diesen Beruf entscheiden?

„Neben der standardisierten Ausbildung muss es einen einheitlichen Tarifvertrag für Studienkoordinator:innen geben! Aktuell werden die Kolleg:innen völlig willkürlich bezahlt, teilweise machen sie in einem Haus die gleiche Arbeit, es gibt aber bis zu 2000 Euro Unterschied in der Bezahlung. Außerdem muss der Tätigkeitsbereich bekannter werden.“

Was macht Ihren Beruf so schön?

„Wir können Menschen helfen, ihnen eine Chance geben, indem sie vielleicht doch noch ein neues Medikament finden, das ihnen hilft“, sagt Jacqueline Roy.

„Die Vielfalt des Tätigkeitsbereichs und vor allem, dass Studien wirken! Es gibt immer wieder Medikamente, die auch bei schweren Erkrankungen eine maximale lebensverlängernde Wirkung haben und die Lebensqualität erhöhen“, betont Daniela Karl. „Es ist eine große Freude, mit Patient:innen zu arbeiten, sie zu begleiten und zu sehen, wie ihnen neue Therapien helfen.“

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