„Studien sind entscheidend für innovative Therapien“

Dr. Johannes Bruns, Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft e.V., spricht anlässlich des Deutschen Krebskongresses 2026 (18. bis 21. Februar in Berlin) über Innovationen in der Onkologie, die medizinische Versorgung von Krebspatient:innen und die Bedeutung klinischer Studien.

Dr. Johannes Bruns

Herr Bruns, Sie setzten sich seit 20 Jahren als Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft für die Verbesserung der Krebsmedizin ein. Welche Fortschritte waren in dieser Zeit entscheidend?

Ein großer Fortschritt war, Krebs nicht mehr als eine einheitliche Krankheit zu betrachten, sondern die genetischen Veränderungen in den Krebszellen zu entschlüsseln. Dadurch können Behandlungen heute viel gezielter und individueller erfolgen.

Darüber hinaus sind die Ressourcen der Onkologie vermehrt in zertifizierten Zentren gebündelt worden, dadurch ist die akute Krebstherapie für Patient:innen erfolgversprechender und auch machbarer geworden.

Wie gut werden Krebspatient:innen in Deutschland versorgt – und was muss sich noch verbessern?

Durch die Etablierung von Leitlinien für die Behandlung, die interdisziplinär und interprofessionell ausgelegt sind, haben wir einen riesigen Qualitätssprung erreicht. In der Onkologie werden Patient:innen heute systemisch betreut, d.h. von der Diagnose bis zum Endpunkt der Behandlung arbeiten Fachkräfte Hand in Hand. Lediglich der Bereich Rehabilitation sollte noch weiter mit eingebunden werden.

Welche Rolle spielen klinische Studien bei der medizinischen Versorgung von Krebspatient:innen?

Studien sind extrem wichtig, von der Grundlagenforschung bis zu den klinischen Studien, die zur Entwicklung von neuen medizinischen Produkten führen. Sie sind entscheidend für die Weiterentwicklung des medizinischen Standards, nur so können wir innovative Therapien entwickeln.

Wichtig ist mitzudenken: Studien sind die Idealisierung einer Versorgungssituation. Wir brauchen Überleitungsprozesse, um die Bewährung innovativer Produkte in der realen Versorgung zu prüfen. „Real World“-Daten sollten dann wiederum in das Design von Studien übertragen werden.

Wie kann der Zugang zu klinischen Studien für Patient:innen erleichtert werden?

Es muss ein nationales Studienregister geben, in dem wirklich alle Studien verzeichnet sind. Das könnte man erreichen, indem man den Translationsprozess von der Zulassung eines medizinischen Produktes in die Versorgung nur dann erlaubt, wenn vorab die Registrierung durchgeführt wird.

Der Deusche Krebskongress 2026

Der Deusche Krebskongress findet in diesem Jahr bereits zum 37. Mal statt.

Wie können wir medizinische Forschung und Versorgung noch besser verknüpfen?

Wichtig ist es, Deutschland als Studienstandort wieder zu stärken – in den letzten Jahren haben wir etwas den Anschluss verloren. Die letzte Bundesregierung hat mit Standardvertragsklauseln und Bürokratieabbau bereits einige Schritte in die richtige Richtung übernommen. Das sollte jetzt konsequent fortgesetzt werden.

Gleichzeitig haben wir eine leistungsfähige Versorgungsforschungslandschaft – aber Erkenntnisse gelangen zu oft nicht zurück in die Versorgung und verbessern sie. Hier müssen wir ansetzen. Es gibt zudem viele Versorgungsdaten. Die liegen aber häufig in verschiedenen Einrichtungen. Das erschwert Forschenden den Zugriff und die Forschung. Auch hier könnte man sagen: Ein:e Ärzt:in bekommt nur Zugriff auf ein neues Medikament, wenn er die Daten von den behandelten Patient:innen mitliefert.

Der Deutsche Krebskongress findet in diesem Jahr zum 37. Mal statt. Was macht ihn so einzigartig und wichtig?

Der Deutsche Krebskongress ist ein interdisziplinäres Forum an dem Expert:innen und Praktiker:innen aus verschiedenen Bereichen teilnehmen – Forschung, Pflege, Psychoonkologie, Gynäkologie, sozialer Arbeit, Politik und vielen anderen. Alle Fachkräfte, die wir brauchen, um Patient:innen von Anfang bis zum Ende vernünftig begleiten zu können, sind im Austausch – auch mit den Patient:innen selbst.

Das Motto in diesem Jahr ist „zusammen – gezielt – zukunftsfähig“. Inwiefern sehen Sie in diesem Ansatz das größte Potential für die moderne Onkologie?

Wir brauchen Interdisziplinarität, Interprofessionalität und Intersektionalität in der Krebsmedizin. Alle Beteiligten am Gesamtprozess müssen miteinander im Austausch sein – dann können wir gezielt therapieren und forschen, und das ist die Zukunft!

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