Tipps für die Studienteilnahme

Die Vorstellung, bei einer klinischen Studie ein neues Medikament zu testen, löst bei vielen Menschen Unsicherheit aus. Patient:innenvertreter Norman Roßberg hat Tipps für alle, die über eine Studienteilnahme nachdenken.

Er war 33 Jahre alt, als er 2016 die Diagnose multiples Myelom erhielt – eine unheilbare, bösartige Erkrankung des Knochenmarks. Seitdem engagiert Norman Roßberg sich in mehreren Gremien ehrenamtlich für Patient:innen. Als Mitglied des Advisory Boards von STUDIENWIRKEN möchte er Menschen, die über eine Studienteilnahme nachdenken, Ängste nehmen und konkrete Tipps geben.

Was spricht aus deiner Sicht für die Teilnahme an einer Studie?

Ich selbst habe noch nicht an einer Studie teilgenommen. Aber ich würde es definitiv tun, wenn ich die Möglichkeit einer noch wirksameren Therapie in Aussicht hätte.

Ich will eins unbedingt klarstellen: Im Krebsbereich gibt es bei Studien keine Placebos! Entweder man bekommt die aktuelle Standardtherapie, also das beste Medikament, das es zu dem Zeitpunkt gibt. Oder man bekommt einen neuen, noch wirksameren Wirkstoff, der einem im besten Fall das Leben erleichtert.

Was sagst du Patient:innen, die unsicher sind, Angst haben?

Es gibt in Deutschland sehr viele Regularien. Bevor eine Studie überhaupt starten darf, wird alles zigmal geprüft. Teilnehmende sind also definitiv keine Versuchskaninchen!

Welche Vorteile haben Studienteilnehmende?

In klinischen Studien werden Patient:innen besonders engmaschig betreut. Es gibt mehr Untersuchungen und Kontrollen als im regulären Behandlungsverlauf, man würde ein Rezidiv oder Metastasen z.B. viel schneller entdecken. Auch der regelmäßige Austausch mit Ärzt:innen und Pflegepersonal ist positiv, man hat immer einen Ansprechpartner.

Wie kann der Zugang zu klinischen Studien für Patient:innen erleichtert werden?

Es muss ein nationales Studienregister geben, in dem wirklich alle Studien verzeichnet sind. Das könnte man erreichen, indem man den Translationsprozess von der Zulassung eines medizinischen Produktes in die Versorgung nur dann erlaubt, wenn vorab die Registrierung durchgeführt wird.

Wie findet man eine passende Studie?

Ich empfehle Patient:innen, ihre Erkrankung selbst in die Hand zu nehmen, also aktiv zu werden. Fragt eure Ärzt:innen, informiert euch bei Patientenverbänden, beim Krebsinformationsdienst, hört euch bei anderen Betroffenen um. Fragt auch ruhig mal die KI oder nutzt Studienfinder wie zum Beispiel Reesi.

Studien finden und teilnehmen

Ihre Mitwirkung hilft nicht nur Ihnen selbst, sondern auch künftigen Generationen. Ohne evidenzbasierte Studien drohen Stillstand in der Forschung sowie Behandlungen ohne nachgewiesene Wirksamkeit – mit allen damit verbundenen Risiken.

Wenn ich eine Studie gefunden habe, die passen könnte – was dann?

Dann solltest du gut vorbereitet in das Aufklärungsgespräch gehen und alle Fragen stellen, die dir einfallen! Schreib sie dir auf, damit du nichts vergisst. Und nimm am besten eine Vertrauensperson mit – vier Ohren hören mehr!

Auswahl von Fragen für das Aufklärungsgespräch

Auf dem neuesten Stand

Erfahren Sie mehr über aktuelle Entwicklungen, Erkenntnisse und relevante Veranstaltungen im Bereich klinische Studien.