STUDIENWIRKEN 2026: Klinische Forschung im Rampenlicht

Rund 300 Gäste kamen am 15. Oktober in Berlin im Auditorium Friedrichstraße zusammen, um gemeinsam zu überlegen, wie klinische Forschung gerechter, der Zugang zu Studien erleichtert und der Studienstandort Deutschland gestärkt werden können.

  • Anja Opitz
  • Redakteurin
  • 18/10/2026

© Charles Yunck - Photography

„Dass ich heute meine Geschichte erzählen kann, verdanke ich einer klinischen Studie. Ohne diese Studie wäre ich wahrscheinlich im Frühling 2019 gestorben und hätte ein Baby hinterlassen.“ Mit diesen bewegenden Worten eröffnete Marlene Assmann-Khoueiry „STUDIENWIRKEN 2026: Vielfalt. Zugang. Machbarkeit.“ im Berliner Auditorium Friedrichstraße. Sie setzte damit den Fokus der Veranstaltung: Es geht beim Diskurs über klinische Studien nicht nur um Studiendesigns, Forschungsergebnisse oder Zulassungsverfahren. Es geht um die Menschen, die von medizinischem Fortschritt profitieren!

Ihr gemeinsames Anliegen brachte etwa 300 Vertreter aus Politik, Wissenschaft, klinischer Forschung, medizinischer Versorgung, Industrie und Patientenorganisationen zusammen: Klinische Studien stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, bestehende Hürden zu benennen und neue Wege zu finden, damit medizinische Erkenntnisse möglichst vielen Menschen zugutekommen.

Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, betonte in ihrer Eröffnungsrede: „Die Medizin war noch nie so gut wie heute – und dazu haben klinische Studien ganz maßgeblich beigetragen.“ Denn wo medizinische Daten fehlten, bleibe auch der Fortschritt aus. „Wir können heute ganz viele Erkrankungen heilen, auch solche, die noch vor 50 oder vor 100 Jahren tödlich waren – das ist ein Riesenerfolg.“ Zugleich verwies Bär darauf, dass die Forschung auf Menschen angewiesen sei, die bereit sind, an Studien teilzunehmen. „Dafür braucht es Vertrauen – und Vertrauen entsteht durch Qualität, Transparenz und einen offenen Dialog.“

Hier setzt STUDIEN WIRKEN an: Die Initiative will Informationen über klinische Forschung zugänglich machen und dazu beitragen, dass Patientinnen und Patienten fundierte Entscheidungen treffen können.

Verlegerin Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der FUNKE Mediengruppe, betonte die Bedeutung einer verständlichen Vermittlung: „Wir möchten Brücken bauen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft, zwischen Forschung und Versorgung, zwischen medizinischer Innovation und den Menschen.“ Denn wissenschaftliche Erkenntnisse würden ihre Wirkung erst dann vollständig entfalten, „wenn sie verständlich erklärt, kritisch eingeordnet und vor allem zugänglich gemacht werden“, betonte Julia Becker.

Im Eröffnungspanel „Gendergerechtigkeit als Standard: Mehr Teilhabe für bessere Evidenz“ wurde diskutiert, wie die stärkere Einbindung von Frauen in klinische Studien zu Forschungsergebnissen beitragen kann, die für alle Menschen gleichermaßen relevant sind. Ministerin Dorothee Bär machte deutlich, welche Folgen es hat, wenn Frauen in der Forschung nicht ausreichend berücksichtigt werden: „Noch immer stützen sich Ärztinnen und Ärzte auf Erkenntnisse, die überwiegend an Männern erforscht wurden. Das führt dazu, dass noch heute bestimmte Erkrankungen bei Frauen zu spät erkannt werden. Geschlechtersensible Medizin ist aber kein Nischenthema, sondern hilft etwa der Hälfte der Menschheit.“

Mehr als 20 Programmpunkte widmeten sich im Laufe des Tages unterschiedlichen Fragen rund um klinische Studien. In Podiumsdiskussionen, Fachbeiträgen und praxisnahen Workshops ging es unter anderem darum, wie Deutschland im internationalen Wettbewerb um klinische Studien aufholen kann oder wie Künstliche Intelligenz klinische Studien revolutionieren wird.

Besonders wichtig war die Perspektive von Patientinnen und Patienten: Neben Marlene Assmann-Khoueiry schilderten Georgina Hoffmann, Kevin Hoffmann, Lea Raak und Alexandra Janz ihre Erfahrungen. Für dieses Engagement und die Offenheit bedanken wir uns sehr.