Mein Weg zur Pollenfreiheit

Juckende Augen, Niesanfälle und eine dauerhaft verstopfte Nase gehörten für Carmen Dörfler viele Jahre zum Alltag. Dass ausgerechnet die Teilnahme an einer klinischen Studie ihr Leben verändern würde, hätte sie damals nie gedacht. In diesem Erfahrungsbericht erzählt sie, wie sie die Studie erlebt hat und warum sie sich jederzeit wieder dafür entscheiden würde.

  • Carmen Dörfler
  • 07/08/2026

Wie ich durch die Teilnahme an einer klinischen Studie meinen Heuschnupfen besiegte

Seit meiner Kindheit leide ich unter starkem Heuschnupfen. Ich hatte quasi das ganze Jahr über damit zu kämpfen. Außer von November bis Februar, während der richtig kalten Monate, war meine Nase grundsätzlich verstopft und ich litt unter geröteten und juckenden Augen und Niesanfällen. Lästig und wirklich nicht sehr schön. Von März bis September war jeder Spaziergang für mich der Horror. Und da ich einen – damals noch jungen und sehr aktiven – Hund habe, waren es viele! Doch auch ein kurzes Stoßlüften reichte, um in allergisches Niesen auszubrechen.

2018 hatte ich dann wirklich genug und beschloss, das Problem endlich anzugehen – mit einer Desensibilisierung, also einer Immuntherapie gegen Gräser- und Pollenallergien. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Mein Weg zur Beschwerdefreiheit würde mich mitten in eine klinische Studie führen – und mir ganz neue Einblicke in die medizinische Forschung ermöglichen.

Meine Erfahrung mit klinischen Studien begann beim Hautarzt

Eine solche Desensibilisierung führen dermatologische Praxen durch. Bei meinem Hautarzt des Vertrauens sprach ich also mein Vorhaben an. Im Erstgespräch erzählte er mir, dass er gerade an einer klinischen Studie zu einem Desensibilisierungspräparat teilnehme. Das Medikament sei bereits sehr gut erforscht, jedoch leicht verändert worden, um seine Wirksamkeit zu verbessern. Diese neue Variante sollte nun getestet werden – und ich könnte eine der Probandinnen sein.

Zunächst war ich unsicher. Klinische Studien klang für mich nach Versuchslabor, nach Risiken und Kontrollgruppen. Was, wenn am Ende alles nur Placebo wäre? Oder gar nicht wirkt? Oder Schlimmeres? Doch mein Arzt erklärte mir alles in Ruhe: Die verwendeten Wirkstoffe seien bewährt, die Sicherheitsstandards hoch, er stets erreichbar und der zusätzliche Aufwand im Vergleich zur regulären Therapie überschaubar. Noch dazu sollte der zeitliche Mehraufwand finanziell entschädigt werden. Ein nettes Goodie und da ich ohnehin neugierig war und die Chance spannend fand, medizinische Forschung aus nächster Nähe zu erleben, sagte ich zu.

„Ich war anfangs skeptisch. Heute würde ich jederzeit wieder an einer klinischen Studie teilnehmen.“

Carmen Dörfler

Routine mit wissenschaftlichem Anspruch

Von da an trudelte ich wöchentlich in der Praxis ein und wurde von der sympathischen Arzthelferin empfangen. Sie war für die Vorbereitung jeder Sitzung zuständig. Bevor ich meine Injektion erhielt, wurde ich nämlich wöchentlich gewogen, mein Blutdruck gemessen – und ich musste jedes Mal einen Schwangerschaftstest machen. Das gehörte zu den strengen Sicherheitsvorgaben, damit die Studienergebnisse nicht verfälscht würden und keine Risiken für eine mögliche Schwangerschaft bestanden.

Erst nach diesen Routineuntersuchungen kam mein Hautarzt und verabreichte mir die Spritze zur Desensibilisierung. Ein kurzer Pieks in den Oberarm, Pflaster drauf, bis nächste Woche! Das Prozedere wiederholte sich über einen kurzen Zeitraum hinweg, immer mit denselben Abläufen, immer sorgfältig dokumentiert. Spannend waren die Geschichten, die ich von anderen Studien erfahren durfte. Gespannt war ich auch auf die Ergebnisse der Desensibilisierung. Bis dahin hatte ich nämlich alles gehört von „super“ bis „bringt gar nichts“.

Klinische Studien – vom Versuch zur Wirkung

Doch schon nach wenigen Wochen merkte ich eine Veränderung: Meine Symptome wurden schwächer, die üblichen Reizungen nahmen deutlich ab. Der endgültige Wirksamkeitstest kam jedoch natürlich erst im nächsten Frühjahr. Zu meiner Überraschung blieb der gefürchtete Heuschnupfen vollständig aus. Die Desensibilisierung hatte gewirkt – und zwar noch deutlich besser als ich gedacht hatte!

Offiziell versprach das Präparat nämlich eine Schutzdauer von rund drei Jahren. Bei mir hielt die Wirkung ganze fünf Jahre an. Fünf Frühlinge und fünf Sommer, in denen ich kein bisschen Probleme mit roten Augen oder einer triefenden Nase hatte! Für mich ein absoluter Erfolg – nicht nur gesundheitlich, sondern auch persönlich. Ich bekam Einblicke in Abläufe, die man als Patientin normalerweise nie zu Gesicht bekommt, und erlebte hautnah, wie aufwendig die Durchführung von klinischen Studien ist.

Ich bin sehr zufrieden mit meinem Beitrag zur klinischen Studie

Am Ende erhielt ich eine Aufwandsentschädigung von rund 400 Euro – ein netter Bonus, aber nicht der Hauptgrund meiner Teilnahme. Für mich war die Entschädigung, endlich frei von Heuschnupfensymptomen zu sein. Noch dazu war ich ein bisschen stolz auf meinen – absolut nicht selbstlosen – Beitrag zu besseren Medikamenten. So hoffe ich, dass dadurch vielen anderen Heuschnupfengeplagten wie mir geholfen werden konnte und immer noch kann.

Für mich selbst wird es nächsten Herbst wieder Zeit für eine Auffrischung der Desensibilisierung. Und auch wenn ich weiß, dass klinische Studien auch anders verlaufen können – schließlich wurden im Behandlungsvertrag, den ich unterschreiben musste, auch mögliche Nebenwirkungen aufgezählt – würde ich wieder teilnehmen.